HISTORY


Geschichte des Zentrums Auenbüttel

Abdruck eines Berichts aus der Zeitschrift “Buddhismus Heute”

Wer kennt schon Auenbüttel?

Von den Zentren Hamburg, München oder Wuppertal hat jeder schon einmal gehört oder sogar diese Zentren besucht, weil von dort viel Aktivität ausgeht und die Mitgliederzahlen hoch sind. Wer aber kennt schon Auenbüttel? Oder warum sollte man es kennen? Ganz einfach: Weil es einen kleinen Rekord hält, bei dem Hamburg, München und Wuppertal nicht so gut wegkommen: Seit über 30 Jahren befindet sich das Zentrum an der gleichen Stelle, so lange wie kein anderes in Deutschland! (Ganz sicher wohnen hier keine Nomaden..)


Auenbüttel ist kaum auf einer Landkarte zu finden. Der Ort, bestehend aus ein paar Häuschen, liegt in Schleswig-Holstein, dort, wo Elbe und Nordsee aufeinander treffen. Nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegend, umgeben von Äckern und Weiden, wo die Nordwest-Stürme mit unverminderter Kraft auf das Land treffen und der Himmel weit und der Horizont fern ist, finden wir das Zentrum Auenbüttel, ein Reetdachhaus aus dem 19. Jahrhundert.


Die Chronik des Zentrums liest sich wie ein Stück buddhistischer Geschichte in Deutschland:

Im August 1980 fuhr Emu Segebrecht , der Gründer des Zentrums und noch immer Bewohner mit Bekannten nach Paris zu einer Kalachakra -Einweihung von Kalu Rinpoche, wo er auch Zuflucht nahm. Dort traf er auch auf einen "völlig aufgedrehten Busfahrer, der etliche seiner dänischen Landsleute nach Paris gekarrt hatte". Bald stellte sich heraus, dass es sich hier um einen gewissen Ole Nydahl aus Kopenhagen handelte.


Nach Emus Rückkehr nach Dithmarschen (so der Name des Landkreises, berühmt dadurch, dass die Dithmarscher am 17. Februar 1500 das dänische Heer mit der gefürchteten Schwarzen Garde schlugen – was Ole natürlich wurmt) fand er im Buch „Die Buddhas vom Dach der Welt“  Oles Adresse in Kopenhagen, schrieb ihm und lud ihn zum Besuch nach Auenbüttel ein.


Am 17. November 1980 war es soweit: Lama Ole besuchte zusammen mit Kurt Nübling (heute Schwarzenberg) Auenbüttel. Über das Vortragsthema "Grundlagen des Buddhismus" ließ er sich vor sechs Zuhörern nur etwa 40 Minuten aus. Emu bekam für die Zentrumsarbeit ein handkopiertes Diamantgeist-Heft (eine Retreatfassung) zugeschickt als Hauptmeditation (wohl um erst mal das „Gröbste“ zu reinigen) für das Zentrum.


Wenige Zeit später lernte er mit Freunden im Hamburger Zentrum die Chenresig-Puja. (Ole sagte gern zu dieser Praxis, die dann auch in Auenbüttel benutzt wurde: „Weisst Du auch, dass viele Dinge drin sind, die eigentlich nicht zur Meditation gehören ?“und regte an, doch mehr die Karmapa-Meditation zu machen)


Somit begann die Zentrumsarbeit. Die regelmäßigen wöchentlichen Meditationen wurden in dieser Anfangszeit nur von wenigen, immer wieder wechselnden Leuten besucht. Emu saß oft über viele Monate allein im Zentrum. Er hatte nun auch Zeit, die vier Grundübungen tibetisch singend – wie damals üblich – eine nach der anderen zu absolvieren. („Das dauert eine lange Zeit, wenn man es ganz und gar allein macht. Auch bekam ich wenig Hilfe und Anregungen von den Anderen, die schon länger dabei waren“.)


1983 erhielt das Zentrum von Lama Ole den Namen "Karma Do Ngak Nam Gyal Ling" (Ort der sehr erfolgreichen Tantras und Sutras), was Ole Emu im damaligen Hamburger Zentrum in der Rappstraße übergab.


Da die buddhistische Infrastruktur damals noch äußerst kärglich war, holte sich Emu Inspiration beim gemeinsamen Puja-Singen, bei Kursen oder Einweihungen in Hamburg und Lolland.


Schon früh reifte der Gedanke in Auenbüttel eine Stupa zu bauen, ein Symbol sowohl für den Geist Buddhas als auch für die Gemeinschaft der Praktizierenden. Der Wunsch wurde ins Leben gerufen, als Tenga Rinpoche 1984 bei Soellested auf der dänischen Insel Lolland die Erleuchtungsstupa einweihte. Obwohl Emu Tenga Rinpoche wiederholt bat ihn bei der Planung und dem Bau zu unterstützen, bekam er immer eine ähnliche Antwort: "Ja, das ist eine sehr gute Sache, aber jetzt ist keine Zeit dafür!"


Doch schon 1990 begann die erste Vorarbeit: Frank und Monika, die dann ab 1993 das Retreat-Zentrum Lolland in Dänemark leiten, hoben die Grube für das Fundament der zukünftigen Stupa aus: drei mal drei Meter und einen Meter tief. Zwei gut verwurzelte Bäume wurden gefällt und die Wurzeln ausgegraben.


Lama Ole war von Anfang an regelmäßiger Gast des Zentrums, zumindest einmal im Jahr. Seinen letzten Vortrag im Zentrum gab er wohl 1993 zum Thema 'Mandalas'. Ungefähr 60 Zuhörer drängten sich in der kleinen Kate, wobei sämtliche Türen ausgehängt wurden und sogar Gästezimmer, Hausflur und Toilette überfüllt waren. („Mandalas, Kraftkreise der Befreiung“ war auch wieder das Thema im Heider „Tivoli“ zum 20jährigen Bestehen.)


Immer wieder bei jedem Besuch des Lolland-Zentrum bewunderte Emu die dortige Stupa und drehte zahlreiche Runden. So etwas für Auenbüttel wäre einfach grossartig !


Aber erst als Tsechou Rinpoche die Kalatchakra-Stupa bei Torre del Mar im spanischen Zentrum „Karma Gön“ baute, waren die Bemühungen um eine Stupa in Dithmarschen von Erfolg gekrönt ! Emu schrieb Rinpoche gleich nach Spanien von den langen Bemühungen, einen versierten Lama zu finden, für den Stupa-Bau in Dithmarschen. Die Antwort liess nicht lange auf sich warten. Rinpoche sagte sofort zu, und beim Besuch in dem ehemaligen kleinen Bergdorf Aldea Alta, was heute nach dem ost-tibetischem Vorbild „Karma-Gön“ (Karmapas Altar) heisst, rief Rinpoche ihn gleich zu sich und sagte nochmals und jetzt Auge in Auge die Unterstützung zu.


So konnte dann doch langsam das große Abenteuer Stupa in Angriff genommen werden: Lopön Tsechu Rinpoche und Lama Kalzang besuchten im Februar 1995 das Zentrum um die vorbereitenden Segnungen und Naga-Pujas durchzuführen.


Dieser Startschuss hatte zur Folge, dass viele Freunde aus den schleswig-holsteinischen Zentren, aber auch aus ganz Deutschland, Dänemark, Polen, Tchechien und Österreich nach Auenbüttel als aktive Bauarbeiter, Mantra-Roller, Tsa-Tsa-Gießer und -Bemaler, Kuchenbäcker und Organisatoren kamen und den nordischen Charme lieben lernten. Der Baumeister war Heiner Döhl (der danach eine Art Hausmeister in Le Bost in Frankreich war). Er bekam ein eigenes Zimmer im Zentrum Auenbüttel.


Und noch etwas haben die Auenbüttler anders gemacht, als es an einigen anderen Orten geschah:

In diese Arbeit wurden möglichst viele Leute von ausserhalb der Gruppe integriert, die sonst nur Zaungäste gewesen wären. Und jeder wurde als Freund und Gast willkommen geheissen.


Nun ist auch in der kleinen Kate von Auenbüttel nicht endlos Platz und im Meditationsraum wurde es langsam enger und enger beim Schlafen, bis dann endlich Lopön Tsechu Rinpoche und Lama Kalzang vom 14.7. – 16.7.1996 Auenbüttel besuchten um die Stupa einzuweihen. Sie trauten ihren Augen kaum: außer dem großen Fundament schien nichts fertig zu sein. Maggie und Lama Kalzang wollten schon einen neuen Besuchstermin vorschlagen. Da aber Heiner die einzelnen Teile schon fertig gegossen hatte, alle Teile zur Füllung und selbst die vergoldeten Metallstücke (von Wuppertal gefertigt) nur noch warteten zu einem Ganzen gefügt zu werden, brachten die Planer mit Rinpoches Segen das Kunststück fertig unter den staunenden Augen von etwa 100 Besuchern alle Teile innerhalb von 24 Stunden zu einer kompletten Stupa zusammenzusetzen. Selbst ein erster weißer Voranstrich wurde noch vor der offiziellen Einweihung fertig.


Es war auch ein grosser Vorschuss, den Rinpoche der Auenbüttler Gruppe gab! Es wird oft gesagt, dass bei einem Stupa-Bau der grösste Teil der Gemeinschaft schon die Grundübungen abgeschlossen haben sollte. Das war damals aber nur eine einzige Person ! So hat Rinpoche im Vertrauen auf das weitere innere Wachstum dieser Gruppe die Erleuchtungs-Stupa geweiht.


Die Presse nahm von diesem Zeitpunkt an mehr Anteil am Leben des Zentrums. Die Darstellungen in den Tageszeitungen fanden stets ein positives Echo. Die Stupa wurde zu einem Punkt auf der Westküstenlandkarte, der auch von Nicht-Buddhisten besucht werden musste.


Am 8. Oktober 2000 fand dann die offizielle 20-Jahr-Feier des Zentrums mit der Öffentlichkeit mit den Bürgermeistern, Nachbarn, Freunden statt. Interessierte informierten sich was in diesem entlegenen Landstrich schon seit so vielen Jahren 'fast im Geheimen' abgelaufen war.


Einen Tag später, am 9. Oktober, kam Lama Ole und seine Frau Hanna nach Heide, der Kreisstadt, um nach dem öffentlichen Vortrag mit den Zentrums-bewohnern, –mitgliedern und allen Freunden ausführlich dieses Jubiläum zu feiern.


Der Vortrag im Heider „Tivoli“ war gut besucht, alle 300 Sitzplätze waren besetzt.

Am nächsten Morgen frühstückten dann 40 Leute mit dem Lama und Hannah im grossen Meditationsraum, der einem an diesem Tag eher etwas klein zu erschien.

Wer kennt schon Auenbüttel? Jetzt wahrscheinlich einige mehr. Wenn ihr es auch einmal persönlich kennen lernen möchtet, dann fahrt von Hamburg aus in Richtung Itzehoe, dort auf die B 5 Richtung Brunsbüttel. Ca. 5 km hinter Brunsbüttel kommt ihr in einen kleinen Ort (Schmedeswurth – grünes Weilerschild), in dem ihr an der einzigen Möglichkeit nach rechts (nach Osten) abbiegt. Eine Minute später seid ihr in Auenbüttel. Dort in der kleinen Siedlung den 2. Weg links fahren bis zum Ende durch, dann seid Ihr beim Stupa-Haus.



Zusatz:
Seit 1996 wird das Zentrum von Marliese Bassen und Emu Segebrecht “gehalten”. Beide sind langjährige Schüler von Lama Ole Nydahl.

.